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Sebastian

Freitag, 11. März 2011

Religion und Politik Teil 1

Wie ihr schon dem Titel entnehmen könnt, werde ich dieses mal ein sehr heikles Thema aufgreifen. Das ist auch der Grund, weshalb ich trotz mehrerer Ankündigungen für frühere Zeitpunkte erst jetzt diesen Post fertig bekommen habe.

Religion und Politik sind historisch eigentlich schon immer sehr stark miteinander verflochten gewesen, auch wenn wir ungefähr mit der Verabschiedung der Amerikanischen Verfassung den Beginn eines langsamen Trennungsprozesses zwischen Religion und Politik vermerken können, der zwar immer wieder Rückschläge hinnehmen muss, aber doch sich stetig weiter entwickelt.

Hierbei ist wichtig von mehrere Arten der Trennung zwischen Politik und Religion zu unterscheiden:
1. Eine Trennung von Religion und Politik, bei der einerseits keine Religion bevor- oder benachteilt wird, andererseits keine Religion einen Einfluss auf weltliche Entscheidungen nimmt (hierzu zählen nicht eventuelle Erklärungen der Vertreter einer Glaubensgemeinschaft aus moralischer Sichtweise des jeweiligen Glaubens); Gleichzeitig sind aber auch die Glaubensgemeinschaften verpflichtet, internationale Menschenrechte und die Verfassung und Gesetze des jeweiligen Staates zu achten.
Dies ideale Form der Religionsfreiheit nennt man Laizismus. Ein gutes Beispiel hierfür ist Frankreich, auch wenn oft noch andere Staaten, wie z.B. die Türkei im Zusammenhang mit Laizismus genannt werden, aber dort gerade der Schutz, bzw. das Fehlen von Nachteilen religiöser Minderheiten nicht der Praxis / Realität entspricht.

2. Eine andere Art der Trennung, von Religion und Politik ist die alte Sowjetische Variante, alle Religionen vollständig zu verbieten oder zu unterdrücken und teilweise auch Anhänger von selbigen zu verfolgen. Von dieser heute noch in China oder auch Nordkorea praktizierten Methode möchte ich hier aber nicht mehr berichten, da ich sie für den falschen Weg halte, weitere Informationen im Internet ganz gut erhältlich sind und diese Variante ja nicht unbedingt Schule machen sollte.

3. Natürlich gibt es auch noch verschiedene Abstufungen der Religionsfreiheit, bzw. der Trennung von Religion und Politik, die alle zu beleuchten den Rahmen des Blogs sprengen würde, also werde ich hier die Situation in Deutschland (welche Überraschung bei einem Blog über deutsche Politik) etwas näher beschreiben.
Zwar haben wir auch in Deutschland eine nominelle Trennung von Staat und Religion und auch das Grundrecht auf Gleichheit/Gleichberechtigung egal welcher Religion wir angehören, aber leider sieht die Realität dank der tatkräftigen Arbeit der Parteien mit dem C am Anfang doch etwas anders aus, so bevorteilen doch viele Gesetze die christlichen Glaubensgemeinschaften (speziell katholischer und evangelischer Konfession), z.B. das noch weitverbreitete Tanzverbot (für alle die nicht wissen, worum es hierbei geht kann ich Wikipedia enpfehlen).
Auch durch andere Regelungen wie z.B. die Regelungen für den Austritt aus Glaubensgemeinschaften, die Körperschaften öffentlichen Rechts sind, welcher nur bei weltlichen Behörden (z.B. in Bayern auf dem Standesamt) gegen im Vergleich zu anderen Verwaltungshandlungen (Ummeldung des Wohnsitzes) höheren Gebühren (Berlin stellt hier eine positive Ausnahme dar) möglich ist. Denn hierdurch werden vorallem "alteingesessene" Glaubensgemeinschaften (hier eine Übersicht über selbige) bevorteilt.
Des Weiteren können diese Glaubensgemeinschaften Kirchensteuern erheben, und auch, eine besonder fixe Idee, das besondere Kirchgeld von Mitgliedern deren besser verdienende Partner keiner solchen Glaubensgemeinschaft angehören, denn hier kann man auch bei anders Gläubigen noch Geld holen.
Wie ihr also seht wird unter dem Deckmantel des Schutzes der "Religion, die unseren Kulturkreis entscheidend geprägt hat" eine Bevorteilung eben jener gegenüber anderen nicht so etablierten Religionen, betrieben, die einen nicht unentscheidenten Einfluss auf die Entwicklung unseres Landes und unserer Zukunft haben kann, da wir uns von einigen wenigen, die um ihre Macht, denn genau um diese geht es letztendlich, zu sichern ein laizistisches Deutschland verhindern möchten, da die macht der konservativen Parteien v.a. im Christentum verankert ist.
Somit wird in Deutschland wissent- und willentlich eine multikulturelle, gleichberechtigte und auch zukunftsorientierte Gesellschaft dem Machtdurst einiger Weniger, in führenden politischen und juristischen Positionen, geopfert, sodass ein friedliches, multikulturelles der Miteinander der Religionsgemeinschaften leider immer noch in weiter Ferne steht.(von einzelnen räumlich und häufig leider auch zeitlich begrenzten Ausnahmen abgesehen)

Mit diesem Input möchte ich euch mal Zeit zum Nachdenken geben bis ich (hoffentlich bald) mit dem zweiten Teil weiter in diese doch sehr schwierige Materie vordringen werde.

Sebastian

p.s. wie ihr sicher festgestellt hab enthält auch dieser Artikel, wenn auch versteckt, einige Basics der deutschen Politik.

p.p.s. an einigen Stellen v.a. im oberen Teil des Posts ist Politik durchaus auch mit Staat gleichzusetzten, bzw. gleichsetzbar.

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